Wechselausstellung

"Van Baby tot Bengel"

bis zum 4. November 2013

"Van baby tot bengel"
Aufwachsen zu Großmutters Zeiten


Ein Paar ging eine Verbindung ein, heiratete, ein Kind wurde geboren und freudig begrüßt.
Im Laufe der Jahre kamen mehr dazu, manchmal sogar viel mehr; Kinder zu haben bedeutete zu Großmutters Zeiten aber auch eine gewisse soziale Sicherheit, würden doch die Kinder später einmal für ihre Eltern sorgen können. Dies galt zumindest so lange, bis die staatliche Altersrente eingeführt wurde.
Neues Leben bedeutete aber auch Sorgen, denn die Kindersterblichkeitsrate was sehr hoch. Mehr als 30 %; unter anderem wegen mangelnder hygienischer Zustände oder einseitiger Ernährung. Den Wöchnerinnen wurde durch Familie und Nachbarn geholfen. Eine Betreuerin für die Wöchnerin kam später dazu. Sie blieb meist 10 Tage und kümmerte sich um die ganze Familie. Das Kind musste so schnell wie möglich getauft werden. Denn wenn das Kind nicht überlebensfähig war, war es dann trotzdem gut versorgt.
In 9 von 10 Familien kamen „Engelchen“ vor. Durch Frühgeburten, Totgeburten oder plötzlichen Kindstod.
Die „nächste“ Nachbarsfrau trug das Kind zur Kirche. Nach der Taufe ging jeder mit nach Hause, man tat einen Blick in die Wiege und versicherte, dass es ein schönes Kind sei. Es wurde Zwieback mit “Muisjes“ (gezuckerter Anissamen) gereicht, als Zeichen der Fruchtbarkeit. Danach gab es für die Nachbarsfrauen ein Kaffeekränzchen, ein sogenanntes „Kindjeskoffie“. Für die junge Mutter wurden zur Stärkung mitgebracht: 10 Eier, 1 Päckchen Butter, 1 Paket Kaffee, 1 Suppenhuhn und 1 Pfefferkuchen für eine gute Zukunft.
Die Kinderzeit wurde an „Mutters Rockzipfel“ verbracht, spielen im Laufgitter, sauber werden. Am 15. Januar 1910 wurde das grüne Kreuz gegründet. Eine für einen jeweiligen Bezirk zuständige Schwester aus dem Dorfkloster stattete Hausbesuche ab, gab den Müttern allerlei nützliche Ratschläge zu Hygiene, Gesundheit und Ernährung. Auch eine Säugling und Kleinkindeinrichtung/ Beratung wurde durch das Grüne Kreuz geschaffen. Die Kindersterblichkeitsrate ging langsam zurück auf 6 %!


Die Schwester



Das Kind wuchs heran und ging nach seinem 4. Lebensjahr in den, wie wir heute sagen, Kindergarten, meistens durch Nonnen geleitet. Dort lernten sie Matten flechten, Schieber und Mäusefallen herstellen aber man durfte auch mit Puppen spielen.
Das Kind besuchte die örtliche Volksschule. Sechs Klassen wurden durchlaufen und wenn man nicht weiter lernte, auch noch die siebte und die achte Klasse.
Zur ersten hl. Kommunion ging man in der ersten Klasse. Hierfür wurde im Vorhinein viel in der Schule und in der Kirche geübt. Natürlich wurde dieser besonderte Tag zu einem „Festtag“ gemacht. Für die Mädchen wurde ein schönes Kleid genäht, meistens von der Mutter oder von einer Hausschneiderin. Die Jungen bekamen oft einen Matrosenanzug, komplett mit Signalpfeife. Von der ersten Klasse an lernte man auch schon die Fragen und Antworten aus dem kleinen Katechismus.
Der große Katechismus kam erst ab der dritten Klasse. Schwierige Fragen und Antworten, zu hause abhören, damit man es ja behält.
Auch wurde das Kind dann und wann zu Hause behalten um bei der Aussaat zu helfen oder bei sonstigen Arbeiten. Jeder trug sein Scherflein zum Haushalt bei. Auch bei der Ernte wurden die Kinder eingesetzt. Die Apfelernte musste vor St. Michael am 30. September eingebracht sein. Da gingen dann nur wenige Kinder zur Schule.
Der Kinderumzug wurde für arme Kinder in der „Mission“ abgehalten.
Man sparte/sammelte Silberpapier. Einmal im Jahr wurde man herausgeputzt als Chinese, Indianer, Neger oder Engelchen. Und dann ging’s los, mit scheppernden Sammelbüchsen sammelten sie während des Umzuges Geld für die armen Kinder aus weiter Ferne, die man meist auf den Fotos in den Missionsheftchen sah. Derartige Heftchen wurden durch die Schulkinder von Tür zu Tür im ganzen Dorf verteilt.
Die Großfamilie. Was war das gesellig. Es war immer jemand zu Hause, immer jemand für einen da. Die Winterabende waren ausgefüllt mit Bohnen verlesen, Strümpfe stopfen, Pullover, Westen und Fäustlinge stricken. Oder auf jeden Fall Kartoffeln schälen für den nächsten Tag. Aber auch Spiele wie z.B. „Mensch ärgere dich nicht“, Domino und Puzzeln, Dame und Schach. Ostern brachten die Kirchglocken wieder gefärbte Eier aus Rom mit und im Herbst schleppten die Kinder allerlei Zweige und brennbares Material zusammen für das Martinsfeuer.
Ein Kind lernte zu Hause spielender Weise das Arbeiten. Jeder hatte eine Aufgabe; der eine schälte die Kartoffeln, ein anderer putzte die Schuhe.
Die größeren Mädchen halfen der Mutter im Haushalt und bei den Kleinen mit Anziehen, Waschen und Baden. Oft hatte man den kleineren Bruder oder eine kleinere Schwester auf den Schoß.
Die Jungen mussten Vater helfen. Die großen Kinder gingen mit aufs Feld: auf Knien durch die Reihen rutschen um Unkraut zu zupfen, Rüben vereinzeln, Früchte und Bohnen im Garten zu pflücken und beim Einmachen helfen.


Auf Knien durch die Reihen rutschen
 



Jedem Kind seine eigenen Aufgaben, so lernte man Verantwortung zu tragen.
Der große Ferienmonat war der August. Vier Wochen lang keine Schule, für die Eltern manchmal zum Verzweifeln.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in dem einen oder anderen Dorf Jugendvereinigungen ins Leben gerufen: Für die Jungen “Jong Nederland“ und die “Meisjesgilde“ für Mädchen. sowie verschiedene Sportvereine.
Die Kinder lernten, dass man durch Teamarbeit und gute Zusammenarbeit
Einiges erreichen konnte; ins Zeltlager fahren und somit wieder ein Stückchen Selbständigkeit zu erwerben. Dies geschah immer unter der Obhut und des wachsamen Auges eines geistlichen Leiters, meist war es der Dorfpastor. Wenn der einem Verein seine Zustimmung gab, war alles in Ordnung.
Es war nicht nur die Sorge, die Kinder anständig aufzuziehen, zu ernähren und zu kleiden sondern auch um ihnen Wärme und eine liebevolle Umgebung zu bieten.
Sie groß zu ziehen zu guten, gleichwertigen und sozial verantwortlichen Erwachsenen.
Das Kind wissen zu lassen, dass es nicht alleine ist und nicht alle Verantwortung alleine tragen muss.
Das Verständnis wuchs, dass Schule nötig ist, das Abitur zu machen, oder nach der Volksschule weiter zu machen um einen Beruf zu erlernen.
Eine Tür geht auf und das große Leben kann beginnen
Die Kinderjahre, eigentlich die schönste Zeit deines Lebens. Aus Babys werden Bengel

 

 


 


 


 

 

 

 



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